Mit Menschen für Mitmenschen.

«Die IV-Revision beseitigt Fehlanreize»

10. März 2020

Die IV steht vor der nächsten Revision. Die eidgenössischen Räte haben sich geeinigt und stehen vor der Schlussabstimmung. «Mit dem neuen Gesetz sollen Fehlanreize korrigiert sowie das stufenlose Rentensystem eingeführt werden», sagt Rolf Born, Leiter WAS IV Luzern, in unserem Interview.

Was ist die Stossrichtung dieser Revision?

Die IV hat sich in den vergangenen Jahren von einem Rentensystem zu einem Instrument der Eingliederung entwickelt. Die Eingliederung soll nun weiter ausgebaut werden, indem auch Jugendliche mit psychischen Beeinträchtigungen einbezogen werden. Sie werden beim Übergang ins Erwerbsleben gezielter unterstützt als bisher. Ein zweites Ziel ist die Schaffung von stufenlosen Renten. Damit werden Fehlanreize, weil sich eine Arbeitstätigkeit nicht wirklich gelohnt hat, abgebaut und ein gerechteres System für alle Bezugsberechtigten geschaffen. Weiter werden gewisse seltene Krankheiten auf die Liste der Geburtsgebrechen aufgenommen – und somit neu von der IV bezahlt.

Ändert sich auch etwas für Arbeitgeber?

Die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern wird vereinfacht, ausgebaut und ins Zentrum der Bemühungen der IV gerückt. Die Eingliederung ist nicht von oben verordnet, sondern basiert auf der Teilnahme der Arbeitgeber. Diese bieten bereits heute freiwillig Arbeitsplätze für Menschen an, die gesundheitsbedingt zusätzliche Unterstützung benötigen. Deshalb müssen Aufwand und Risiken für die Arbeitgeber so gering wie möglich gehalten werden und die Zusammenarbeit mit der IV muss attraktiv, unkompliziert sein und damit zur win-win-Situation für alle Beteiligten führen.  

Mit der Revision sollen Fehlanreize korrigiert werden. Was bedeutet das konkret?

Bisher hat es sich für IV-Bezügerinnen und -Bezüger nicht immer gelohnt, eine Arbeit anzunehmen. Schuld daran war unter anderem das bisher grob abgestufte Rentensystem, welches dazu führte, dass sich eine Arbeitstätigkeit finanziell nicht immer auszahlte. Mit der Gesetzesrevision wird neu das stufenlose System eingeführt, damit sich der Grundsatz Arbeit statt Rente sich für IV-Bezüger in jedem Fall lohnt.

Ein Fokus der Reform liegt bei den Jugendlichen und psychisch Kranken. Was ist konkret angedacht?

In Zukunft kann die IV die kantonalen Brückenangebote und das Case-Management bei der Berufsausbildung mitfinanzieren.  Damit sollen betroffene Jugendliche besser begleitet und unterstützt werden. Das Taggeld darf zudem in Zukunft nicht mehr höher sein als der Lohn von Lernenden. So sollen Fehlanreize vermieden werden. Die bereits heute bestehenden Instrumente der IV werden bedarfsgerechter eingesetzt und die Beratung und Begleitung von Menschen mit psychischen Problemen wird ausgebaut.

Was bedeutet diese IV-Revision für WAS IV Luzern?

Wir müssen die Grundlagen schaffen, damit wir im Zeitpunkt der Inkraftsetzung des Gesetzes die neuen Leistungen der IV und die neuen Rentenberechnungen umsetzen können. Zusammen mit der Schulung der Mitarbeitenden ist dies für uns in den nächsten Monaten sicher noch eine Herausforderung.

 

Zurück